Die Frühblüher kommen!

Zeit zum Säen - Zeit für Frühblüher

 

 

Noch ist der Winter nicht vorbei, noch können Nachtfröste kommen und vielleicht auch Schnee – aber die ersten Pflanzen blühen schon unverdrossen. Um so beser für uns!

Frühling! Plötzlich explodieren die Farben. Seen aus Krokussen ergießen sich über den Rasen, umspielen Bäume und Büsche, violett an der einen Stelle, honiggelb an einer anderen, cremeweiß an einer dritten. Anderswo stehen dichte Büschel von Schneeglöckchen und Märzenbechern, leuchten Gruppen von gelben Winterlingen, lugt hier ein schüchternes Veilchen und dort ein Leberblümchen hervor. Ein Fest der Farben, der Hoffnung, der plötzlichen Üppigkeit.

Ob in Park oder Friedhof, in öffentlichen Grünanlagen oder im Auwald, wer in diesen Tagen mit offenen Augen unterwegs ist, kann es schon ordentlich blühen sehen. Die ersten blühenden Pflanzen, die Frühblüher, erwecken in uns eine besondere Stimmung: Denn eigentlich ist der Winter noch nicht vorbei, Bäume und Sträucher sind noch kahl, der Boden bedeckt vom dürren brauen Laub des Vorjahrs – aber dazwischen blüht es. Es ist der Sieg des Frühlings über den Winter, der Triumph des Lebens über den Tod, der Sieg der Lust über das Verdorren in der Kälte. Die Frühblüher sind ein Fest der Lebensfreude. Sie sind der Karneval der Natur.

Da kann man sich ja schon mal fragen: Wie machen die das? Warum sind die so früh am Start, während die anderen Pflanzen noch nicht mal rausgefunden haben, wie die Photosynthese funktioniert? Ganz einfach: In ihren Zwiebelwurzeln haben sie seit dem vergangenen Jahr Nährstoffe gespeichert. Und jetzt nutzen sie die ersten warmen Tage, um hervorzubrechen, bevor die Bäume und Sträucher ihr Laub entfalten und ihnen das Licht wegnehmen. Damit nutzen sie geschickt eine ökologische Nische aus. So können sie alles, was ihr Standort bietet – Licht, Luft, Wasser, Nährstoffe –, voll ausnutzen.. Und gegen den Frost schützen sie sich mit regelrechten Frostschutzmitteln, die in ihren Zellen das Gefrieren der Zellflüssigkeit verhindern. Sie stellen dann einfach das Wachstum ein, und wenn es wieder wärmer ist, wachsen sie weiter.

Manche unserer Frühblüher, wie etwa Schneeglöckchen oder Märzenbecher, stammen ursprünglich aus Kleinasien und dem Kaukasus. Dort haben sie vor Millionen von Jahren die Strategie entwickelt, früh im Jahr zu blühen, bevor der heiße und trockene Sommer kommt, und sich danach wieder in ihre Zwiebel zurückzuziehen. In unseren Wäldern kommt ihnen das zugute: Hier nutzen sie das Zeitfenster, bevor das Laubdach sich schließt und die anderen Pflanzen mit ihnen konkurrieren.

Aber neben den Zwiebelpflanzenes gibt auch noch andere Frühblüher – zum Beispiel die Schlehe. Sie ist ein ungemein wichtiger Strauch für ganz viele Vögel und Insekten, etwa die Hummeln. An Waldrändern und Gehölzstreifen, in Hecken und am Wegrand finden sich jetzt ihre weißen Blütenwolken. Sie sind in der freien Natur häufig das auffälligste, weil von weitem sichtbare Frühlingszeichen. An ihren fünfblättrigen Blüten erkennt man, dass sie wie die meisten Obstpflanzen, wie Apfel, Birne, Kirsche, Mandel, Aprikose,  Him-, Brom- und Erdbeere zu den Rosengewächsen gehört. Fast alle Schmetterlinge, die jetzt schon unterwegs sind, wie Zitronenauge, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge oder Landkärtchen, nutzen die Schlehenblüten als Futterquelle. Und später, im Frühsommer, werden sie an den Unterseiten der Blätter ihre Eier ablegen.

Ein anderer auffälliger Frühblüher allerdings trägt zum ökologischen Aufbruch in der Natur gar nichts bei: die Forsythie. So schön die strahlend gelben, vor allem in Parks und Gärten anzutreffenden Sträucher auch sind – sie nützen nur uns Menschen. Insekten finden in ihren auf Schönheit gezüchteten Blüten keine Nahrung. Aber so ist das manchmal: Nicht alles, was schön ist, ist auch nützlich. Am besten ist doch immer die Kombination von beidem.

2016-12-06T19:02:14+00:00

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Martin Rasper

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