Wenn die Saat keimt …

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: Wenn die ersten Keimlinge einen grünen Bogen durch die Erde schieben, dann wissen wir: Jetzt geht’s lo-hos! Und nie kann man das Keimen so genau beobachten wie beim Vorziehen am Fensterbrett.

 

Warum ziehen wir Pflanzen im warmen Zimmer vor? Logisch: um der Natur ein Schnippchen zu schlagen. Um einen Vorsprung zu gewinnen gegenüber unserem unfreundlichen mitteleuropäischen Klima, das es uns ansonsten erst im Mai erlauben würde, die kälteempfindlichen Pflanzen auszusäen. Also rein mit den Samen in die Erde, und hin aufs Fensterbrett. Und das Vorziehen hat noch einen weiteren Vorteil: Man kann den Pflanzen so richtig schön beim Keimen zusehen.

Denn es ist zwar banal, aber doch immer wieder ein Wunder: Ein winziges Samenkorn, das man in der Erde versenkt, wächst zu einer grünen Pflanze heran. Für mich am faszinierendsten ist immer der absolute Anfang: Wenn das erste zartgrüne Spitzlein wie aus dem Nichts an der Erdoberfläche erscheint.

 

Ich wünsche mir immer, es würde noch ein wenig schneller gehen, so dass man es quasi in Echtzeit beobachten und im Stil einer Sportreportage kommentieren könnte: „Alle warten gespannt auf den Augenblick, in dem der erste Keim die Erdschicht durchstoßen wird“ – „Wo wird es passieren, in der nordöstlichen Ecke der Anzuchtschale oder eher in der südwestlichen?“ – „Da, dort scheint sich etwas zu bewegen, ist das schon der erste Keim?“ – „Nein, Fehlalarm, es war wohl doch nur ein Tierchen, das einen Brocken Erde bewegt hat.“ – „Aber da, jetzt! Ein paar Zentimeter weiter, da zeigt sich eine leichte Erhebung!“ – „Ja tatsächlich, sie schiebt sich in die Höhe, nimmt die Form eines Bogens an.“ – „Der Bogen wächst, jetzt löst sich das eine Ende von der Erde und wandert nach oben! Es streckt sich und streckt sich, wird immer gerader, die zwei Keimblättchen entfalten sich! Hurra, eine neue Pflanze ist geboren!“

Passiert permanent. Auch demnächst wieder: In Eurer Anzuchtschale.