Es gibt wahre Alleskönner unter den heimischen Gewächsen, die wir als Must-Have für euren Balkon oder Garten empfehlen. Dazu zählen vor allem Kräuter, die in der Küche das ganze Jahr über Spaß machen. Wir stellen euch hier die immergrüne Heil- und Gewürzpflanze Tymian vor,  die ihr mit Thymian Samen leicht selbst anbauen könnt.

Herkunft und Geschichte von Thymian

Schon im alten Ägypten und Griechenland war der Thymian bekannt. Bis heute gilt er als „Meister der Reinigung“ und wird im esoterischen Kontext als Zusatz von Räuchermitteln verwendet. Im Mittelalter kam er über die Benediktinermöche zu uns. Verbreitet ist das Kraut hauptsächlich in Afrika, Europa und im gemäßigten Asien. Die meisten Arten aber finden sich im Mittelmeerraum. Dort wächst auch der wunderbar duftende wilde Thymian.

Obwohl Thymian den Süden liebt und magere Böden bevorzugt, kann man diese großartige Pflanze sehr gut in Deutschland kultivieren. Es gibt sogar die Thymian-Gattung  “Deutscher Winter“. Diese Sorte ist besonders robust und eignet sich tatsächlich gut für unsere Breiten. Ansonsten ist Thymian nur bedingt winterhart . Wenn es ihm nicht allzu frostig wird, wächst er problemlos auch mehrjährig.Eine besonders originelle und robuste Sorte ist der sogenannte “Teppich-Thymian“. Der trittfeste Bodendecker ist nicht nur praktisch, sondern sieht gut aus, duftet gut und schmeckt gut.

Heilpflanze und Küchenpflanze Thymian

Das mehrjährige Kraut wurde 2006 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Seine ätherischen Öle wirken schleimlösend, entzündungshemmend und antibakteriell. Die Blätter und Blüten des Thymian-Strauch werden gegen Erkältungen und grippale Infekte eingesetzt. Auch im Magen-Darm Trakt entfaltet das Kraut seine wunderbaren Kräfte . Seine enthaltenen Gerb- und Bitterstoffen lindern  Verdauungsprobleme und aktivieren Galle und Leber. Daher wird Thymian auch gerne etwas schwer-verdaulichen Speisen zugefügt.

Aber auch geschmacklich ist das mediterrane Würzkraut aus der Küche nicht wegzudenken. Mehr noch als frisch ist der getrocknete Thymian ein echtes Würzwunder. Er passt toll zu Fleischgerichten aus dem Ofen, Eintöpfen und zu jeglichem Sommergemüse wie Auberginen und Paprika. Im übrigen könnt ihr auch die Thymiansamen in geringen Mengen auch roh verzehren. Sie wirken reinigend für eure Darmwände. Ihr könnt auch mal probieren, die Samen wie Kresse kurz nach dem Keimen zu essen.

Je nach Sorte kann Thymian sehr unterschiedlich schmecken: Es gibt beispielsweise Zitronen-Thymian, wuchsfreudigen Kaskaden-Thymian oder Bergthymian. Am häufigsten aber wird die Sorte Thymus Vulgaris kultiviert, der sogenannte “Echte Thymian“. In unserem Beitrag Kräuter sammeln und trocknen  findet ihr mehr Infos rund um die Ernte von Thymian und weiteren wertvollen Kräuterpflanzen.

Thymian anbauen und selbst vermehren

Die Aussaat gelingt am besten in kleinen Töpfen mit einer Mischung aus qualitativ guter Anzuchterde und Sand. Nachdem die winzigen, kugelrunden Samen gleichmäßig ausgestreut wurden, sollte die Erde leicht befeuchtet werden. Thymian-Samen sind sogenannte Lichtkeimer. Das bedeutet, dass sie nur leicht angedrückt werden. In unserer Pflanzanleitung findet ihr ausführliche Infos. Freunden des Bewegtbilds empfehlen wir das entsprechende Video auf unserem YouTube-Channel.

Als robustes, mehrjähriges Gewächs lässt sich Thymian auch über Stecklinge vermehren. Dazu wählt ihr ein paar gesunde Triebe ohne Blütenknospen aus, die ihr mit einem scharfen Messer abtrennt und schnellstmöglich in die Erde steckt.

Thymian Samen ernten und trocknen

Den richtigen Zeitpunkt für die Ernte der Thymiansamen erkennt ihr direkt an der Pflanze: Wenn sie leicht vertrocknet und bräunlich aussieht, sind die Samen reif und lassen sich leicht absammeln. Wartet einen sonnigen Tag ab und achtet darauf, dass die Pflanzen gut trocken sind. Die Samenhüllen sind gut erkennbar: kleine eiförmige Nüsschen mit runden Samen. Hier handelt es sich um einen tollen Trick der Natur: Die Nüsschen oder Fruchthüllen werden von Vögeln oder kleinen Tieren gefressen und verdaut. Über deren Ausscheidungen gelangen die Thymian-Samen dann an die verschiedensten Orte, wo sie dann unter guten Bedingungen keimen.

Nach der Ernte, solltet ihr die Samen unbedingt ein paar Tage auf einem Stück Karton oder auf Zeitungspaper durchtrocknen lassen. Diese Unterlagen nehmen die Restfeuchte der Thymian-Samen gut auf. Sobald die Samen wirklich trocken sind, fallen sie leicht aus der Hülle. Ansonsten wartet ihr besser noch ein paar Tage ab. Auf diese Weise könnt ihr euer eigenes hochwertiges Saatgut selbst gewinnen. Es genügt also, das Saatgut nur einmal zu bestellen und dabei vor allem auf Bioqualität und samenfeste Sorten zu achten.

Thymian Samen lagern

Alle Kräutersamen haben eines gemein; sie sollten kühl, dunkel und trocken gelagert werden. Ob in kleinen Papertütchen oder alten Schraubgläsern, ihr solltet sie mit dem Erntedatum und der Sorte beschriften. In der Regel ist Saatgut bis zu drei Jahren haltbar. Im Zweifel macht ihr eine kleine Keimprobe: Auf ein feuchtes Küchenpapier legt ihr ein paar Samen an einem warmen Ort und besprüht sie immer wieder mit Wasser. Nach rund 10 Tagen sollten die Samen gekeimt haben. Wenn nicht oder wenn zu wenige gekeimt haben, ist die Keimfähigkeit eingeschränkt. Dann solltet ihr neues Saatgut bestellen oder kaufen.

Thymian ist ein wirklich erstaunliches Gewächs mit vielen interessanten Anwendungsmöglichkeiten. Ob in der Küche, als Räucherwerk oder als Heilkraut,  Thymian gehört definitiv auf jeden Balkon und in jeden Garten.